Wachtelküken – Vom Brutei bis zur Jungwachtel Teil 2

Der Schlupf der Wachtelküken – Die letzten drei Tage und was jetzt wichtig ist

Wachtelküken – Vom Brutei bis zur Jungwachtel Teil 2

Nach rund zwei Wochen Brutzeit wird es spannend: Die Küken entwickeln sich jetzt vollständig und bereiten sich auf den Schlupf vor. Gerade in den letzten drei Tagen passieren die meisten Fehler – und leider kosten diese häufig gesunde Küken das Leben. Mit der richtigen Vorbereitung kannst du den Schlupf jedoch entspannt beobachten und deinen Küken den bestmöglichen Start ermöglichen.

Tag 14 – Jetzt beginnt der Lockdown
Etwa drei Tage vor dem errechneten Schlupftermin beginnt der Umbau des Brüters zum Schlupf.
Ab jetzt gilt:
* Eier nicht mehr wenden
* Luftfeuchtigkeit erhöhen
* Den Brüter möglichst geschlossen halten
* Nur noch kontrollieren, wenn es wirklich dringend notwendig ist

Die Küken bringen sich nun selbst in Schlupfposition. Jede unnötige Erschütterung oder jeder starke Feuchtigkeitsverlust kann den Schlupf erschweren. Deswegen gilt, so schwer. Es dir auch fällt, Finger weg vom Brüter!

Die richtige Luftfeuchtigkeit
Während der Brut lag die Luftfeuchtigkeit deutlich niedriger. Jetzt sollte sie erhöht werden.
Eine höhere Luftfeuchtigkeit verhindert, dass die Eihaut austrocknet und am Küken festklebt. Trocknet sie aus, kann das Küken trotz guter Entwicklung im Ei feststecken.

Trotzdem gilt:
Eine dauerhaft extrem hohe Luftfeuchtigkeit von über 80% ist ebenfalls nicht sinnvoll. Halte dich deshalb möglichst an die Empfehlungen deines Brutgerätes und die Erfahrungswerte aus vielen Jahrzehnten Zucht Erfahrung vieler tausender Züchter.

Das Kükenheim jetzt fertig vorbereiten
Während im Brüter alles auf den Schlupf arbeitet, solltest du das spätere Kükenheim vollständig vorbereiten. Wenn die ersten Küken schlüpfen, möchtest du nicht mehr hektisch nach Zubehör suchen.

Dazu gehören:
* Wärmequelle (Am besten eignet sich Wärmeplatten)
* Einstreu
* Futter
* Wasser
* Schutz vor Zugluft
* Beleuchtung

Ich empfehle eine Wärmeplatte anstelle einer Wärmelampe. Sie kommt der natürlichen Glucke deutlich näher. Die Küken können selbst entscheiden, ob sie Wärme benötigen oder lieber aktiv unterwegs sein möchten. Außerdem spart sie Strom und sorgt für ein ruhigeres Verhalten.
Wichtig ist jedoch:
Teste die Wärmeplatte bereits einige Stunden vor dem Einzug der Küken.
Kontrolliere, ob sie zuverlässig funktioniert und die richtige Höhe eingestellt ist. Die Küken sollten bequem darunter laufen können, ohne sich zu quetschen. Auch solltest du die Wärmeplatte bereits einige Stunden warm werden lassen, bevor du die Küken aus dem Brüter nimmst.

Auch bei der Tränke gilt: Sicherheit geht vor. Verwende eine flache Kükentränke mit einer schmalen Rinne, damit die frisch geschlüpften Wachteln nicht hineinfallen können. Bitte verwende keine offenen Tränken, wie zum Beispiel Marmeladenglas Deckel, denn auch dort drin können Küken ertrinken. Das Wasser sollte täglich frisch sein. Gerade in den ersten Tagen entwickeln sich Keime sehr schnell.

💡Züchtertipp: Gib für den Start ein wenig Kamillentee und wenn du hast Oregano Extrakt in das Wasser. Das sorgt dafür, dass die Verdauung deiner Küken schnell in Schwung kommt.

Das erste Loch im Ei
Irgendwann wirst du das erste kleine Loch im Ei entdecken. Jetzt heißt es vor allem: Geduld und den Brüter umbedingt geschlossen halten. Nachdem das Küken die Schale angepickt hat, macht es häufig viele Stunden Pause. Das ist völlig normal, diese Pause kann auch schon mal 24 Stunden dauern. Während dieser Zeit atmet es erstmals Luft, sammelt Kraft und bereitet sich auf den eigentlichen Schlupf vor. Schlüpfen ist ein Hochleistungssport und verlangt den Küken unglaublich viel ab.

Viele Halter werden jetzt unruhig – dabei läuft meist alles genau nach Plan. Bitte nicht nachhelfen! Es ist wahrscheinlich der häufigste Fehler bei der Kunstbrut. Ein Küken braucht oft viele Stunden, manchmal sogar einen ganzen Tag, bis es sich vollständig aus dem Ei gearbeitet hat.

Auch wenn es schwerfällt, Hilf nicht nach. Das Küken muss dabei seinen Dottersack vollständig einziehen und seine Blutgefäße müssen sich zurückbilden. Öffnet man das Ei zu früh, kann das zu starken Blutungen oder schweren Verletzungen führen. Nur in sehr seltenen Ausnahmefällen ist eine Schlupfhilfe sinnvoll – und diese setzt viel Erfahrung voraus.

Wann dürfen die Küken aus dem Brüter?
Frisch geschlüpfte Wachteln müssen nicht sofort umgesetzt werden.
Sie können problemlos 12 bis 24 Stunden im Brüter bleiben. In dieser Zeit trocknet ihr Flaum vollständig und sie zehren noch vom eingezogenen Dottersack. Außerdem vermeidest du, den Brüter ständig zu öffnen. Dadurch bleibt die Luftfeuchtigkeit für die übrigen Küken stabil.
Sobald die Küken trocken, aktiv und sicher auf den Beinen sind, dürfen sie in ihr vorbereitetes Kükenheim umziehen.

Bild

Am besten öffnest du am Tag des Schlupfes den Brüter genau zweimal. Das erste Mal um die bereits geschlüpften und trockenen Küken ins Kükenheim zu setzen und dann circa 12 Stunden später ein zweites Mal, um die zweite Fuhre Küken ins Kükenheim umzusetzen. Meist hast du dann noch einige Nachzügler und geschlossene Eier im Brüter, gönn diesen Nachzüglern noch weitere 24 Stunden. Erfahrungsgemäß schlüpft dann nichts gesundes mehr nach und du kannst den Brüter spätestens am Tag 19 ausschalten.

Fazit
Die letzten drei Tage der Brut verlangen vor allem eines: Ruhe und Geduld. Wenn Luftfeuchtigkeit und Temperatur stimmen, das Kükenheim vorbereitet ist und du den Küken genügend Zeit gibst, erledigt die Natur den größten Teil der Arbeit selbst.

Im nächsten Teil schauen wir uns an, wie die ersten Lebenstage aussehen, welches Futter geeignet ist und worauf du in der ersten Woche besonders achten solltest.

Serienübersicht
1. Wachtel-Bruteier richtig ausbrüten – Die komplette Anleitung bis zum Schlupf
2. Der Schlupf der Wachtelküken – Die letzten drei Tage und was jetzt wichtig ist
3. Die ersten sieben Tage mit Wachtelküken – Der Grundstein für gesunde Tiere
4. Die zweite Lebenswoche – Jetzt werden deine Wachtelküken richtig aktiv
5. Die dritte bis fünfte Woche – Aus Küken werden Jungwachteln
6. Hahn oder Henne? Geschlecht bei Wachteln sicher erkennen und rechtzeitig trennen
7. Wann dürfen Wachteln nach draußen? Der richtige Zeitpunkt für den Umzug
8. Aus Jungwachteln werden Legewachteln – Was sich ab der 6. Lebenswoche verändert